Christine Pfenninger
Lebens- und Unternehmensberatung

Newsletter Februar 2021

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

heute ist Lichtmeß - ein ganz besonderer Tag im Jahr! Die Rauhnächte sind vorüber, die Tage werden allmählich wieder länger, das Licht kehrt zurück und nimmt wieder zu. Haben Sie auch in den Rauhnächten Ihr Haus oder Ihre Wohnung ausgeräuchert? Sind Sie mit Weihrauch, Salbei oder sonstigem Räucherwerk durch das Haus gegangen und haben in jeden Winkel gesehen und geräuchert? Abgesehen von dem guten Duft, der in den Zimmern zurück bleibt und unsere Sinne auf angenehme Weise anspricht, werden damit alte verbrauchte Energien, wird alter Mief bereinigt, "ausgetrieben" und durch neue Düfte umgewandelt. Die Energie der Räume ändert sich dadurch spürbar, finde ich. In früheren Zeiten war auch ein Nebeneffekt des Räucherns, dass die Hausfrau einmal durch das ganze Haus ging und dabei auch in unbenutzte Zimmer und auf den Dachboden kam. Dadurch war mit dem Räuchern eine "Bestandsaufnahme" verbunden, eine Art Inventur, und dadurch wurden ihr unerledigte Dinge und Aufgaben bewusst, was dann insgesamt dem Haushalt zu Gute kam.

 

Mit Lichtmeß wird der weihnachtliche Zyklus abgeschlossen und eine Art "Vorfrühling" eingeleitet. Im Kirchenzyklus fällt Lichtmeß am 2. Februar auf genau 40 Tage nach Weihnachten. Lichtmeß hieß auch "Mariä Reinigung" - nach den jüdischen Gesetzen galt eine Frau nach der Geburt eines Sohnes 40 Tage lang als unrein und musste sich nach dieser Zeit mit einer Opfergabe im Tempel reinigen. Zudem galten alle erstgeborenen Söhne im Judentum als Eigentum Gottes (also auch Jesus) und mussten durch eine Opfergabe "ausgelöst" werden. Vielleicht lag der Sinn der offiziellen "Unreinheit" der Frau auch darin, dass sie nach der Geburt eines Sohnes, was von männlicher Seite in der Regel sehr erfreut zur Kenntnis genommen und als "Leistung" der Frau betrachtet wurde, sozusagen eine körperliche und sexuelle Schonzeit genießen durfte, bevor sie wieder dem Manne dienstbar sein und "ihre ehelichen Pflichten erfüllen musste". Das mag uns heute in diesen modernen aufgeklärten Zeiten als lächerlich erscheinen, aber im Altertum war diese Regel mit Sicherheit sinnvoll und stellte eine Form der Rücksichtnahme dar.

 

Mich persönlich berührt ganz besonders die Vorstellung, dass ab dem Fest Lichtmeß das Licht spürbar wieder zunimmt. Zu Maria Lichtmeß wurde in früheren Zeiten auch der Jahresvorrat an Kerzen in die Kirche gebracht, um diese weihen zu lassen. Von den geweihten Kerzen wiederum erhoffte man sich, dass sie Unheil abwehren sollten, ganz besonders die früher verwendeten schwarzen Wetterkerzen. In Zeiten der Quantenphysik wissen wir mittlerweile, dass das Bewusstsein sehr wohl in der Lage ist, ein Experiment zu beeinflussen (siehe auch Details zum Teilchenbeschleuniger). Daher lagen die Menschen wohl gar nicht so falsch, wenn sie sich Rituale erschafften, durch die sie ihr Unterbewusstsein erreichten und die beruhigend auf die Psyche einwirkten. Auch heute noch wirkt ein ruhiger, ausgeglichener, harmonischer und regelmäßiger Lebensrythmus beruhigend und stabilisierend auf uns Menschen - ein sehr unruhiger, hektischer, wechselhafter Lebensrythmus dagegen mag teilweise stimulierend wirken, auf die Dauer aber strengt er an, laugt aus und verunsichert uns. Menschen mit psychischen Problemen tun daher gut daran, Rituale und Regelmäßigkeit in ihr Leben zu bringen und zu pflegen; die Psyche kann sich auf diese Weise mit der Zeit beruhigen und allmählich gesunden.

 

An Lichtmeß beginnt übrigens auch das Bauern- und Gartenjahr. Man sagt, dass sich die Wurzeln und Samen, die sich in der kalten Jahreszeit in die Erde zurückgezogen und dem Winterschlaf zugewandt hatten, nun erneut dem Licht entgegenstrecken. Ihre Energierichtung ändert sich, sie erwachen und bereiten sich darauf vor, der Erdoberfläche und damit dem Licht entgegenzutreiben - lange noch bevor beispielsweise das Schneeglöckchen als eines der allerersten Frühlingsboten an der Erdoberfläche sichtbar wird. Dieser Tag ist also auch ein Umkehrpunkt; die dunkelste Zeit des Jahres liegt nun hinter uns, das Licht kehrt allmählich wieder und mit ihm Wärme, Fülle und Leben.

 

Ich finde diesen Rhythmus der Jahreszeiten sehr tröstlich. Er enthält eine wichtige Botschaft für uns: Egal wie dunkel und trübe das Leben manchmal auf uns wirken mag, vor allem in dieser schwierigen Zeit gerade eben - das Licht kehrt doch immer wieder zurück, auch wenn es noch dauern mag und wir bereits sehnlichst darauf warten. Es ist die Verheißung des unweigerlichen Biorhythmus, dem alles Leben auf Erden unterliegt. Auf jeden Winter folgen irgendwann der Frühling und der Sommer und mit ihnen Lebensfreude, Fülle, Licht und Wärme, bevor das Licht dann im Herbst wieder abnimmt und sich in den Winterschlaf zurückzieht. Junge Menschen werden geboren, wachsen auf und werden erwachsen, sie dürfen das Leben in all seinen Facetten erleben, genießen und durchwandern. Dann altern sie und machen irgendwann der nachwachsenden Generation Platz, und der Zyklus des Lebens beginnt von vorne. Mir hilft das, mich mit meinem zunehmenden Alter auszusöhnen, denn ich weiß, dass jeder Mensch seine Zeit, seine Höhepunkte und seinen langsamen Abschied hat, und ich kann es der nachfolgenden Generation von Herzen gönnen, dass auch sie "dran sind" und ihre "Hoch-Zeit" erleben dürfen. Und deshalb finde ich, wir sollten uns alle nach Kräften bemühen, unseren Kindern und Enkelkindern eine lebenswerte Welt zu hinterlassen, in der auch sie ihren Anteil an Blüte und Fülle erleben dürfen. Sie brauchen all unsere Liebe, Kraft, Wärme, Zuversicht und Entschlossenheit, deren wir fähig sind, um die Welt durch die schwierigen Zeiten und anstehenden Probleme (Corona, Klimawandel, Flüchtlingsthema, soziale Ungerechtigkeit etc.) zu bringen - und wenn Sie mögen, kann auch das Februar-Sonntagsritual diesem Zweck dienen.

 

"Machen wir uns also auf den Weg, das Kranke dieser Welt gesundzulieben." (Peter Horton)

 

 

Mit herzlichen Licht-Grüßen

Ihre Christine Pfenninger

 

 

PS: Aktuelle (Einzel-)Seminartermine gibt es aufgrund der aktuellen Corona-Situation nach wie vor und bis auf Weiteres ausschließlich auf direkte und persönliche Anfrage.