Christine Pfenninger
Lebens- und Unternehmensberatung

Newsletter November 2021

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

mein November-Newsletter beginnt - wie könnte es anders sein - mit einem Verweis auf die nun anstehenden Feste und Begriffe Allerheiligen/Allerseelen, Samhain, All Hallows' Eve und Halloween. Diese Feste sind weitläufig miteinander verwandt, wenngleich auch sehr verschieden voneinander. Hier eine Gegenüberstellung:

 

 

Allerheiligen

Nachdem im katholischen Christentum klar wurde, dass nicht für jede heiliggesprochene Person ein eigener Feiertag eingeführt werden konnte, begannen die Kirchen, Sammelfeiertage einzuführen. Allerheiligen bedeutet in diesem Zusammenhang "eine allen Heiligen gewidmete Feier".

 

Allerseelen

Das Fest Allerseelen, von der Kirche einen Tag später begangen, ist ein katholisches Fest, zu welchem die Gläubigen üblicherweise ihre Toten besuchen, um sie zu ehren und für sie zu beten und um ihnen dadurch möglichst "das Fegefeuer zu ersparen". Sie zünden dazu traditionell Kerzen auf den Gräbern an, und diese werden bei einem Umgang gesegnet.

Da allerdings Allerseelen kein gesetzlicher Feiertag ist, wird die Gräbersegnung in der Regel auf Allerheiligen vorgezogen. Dadurch ist die ursprüngliche Bedeutung "Allerseelen" verloren gegangen und hat sich mit dem religiösen Inhalt von "Allerheiligen" vermischt.

 

 

Samhain

 

Samhain ist ein sehr altes irisch-keltisches Fest. Es beschreibt eine Zeit des Übergangs, bei dem Menschen die Anderswelt sehen oder sogar betreten können. Die Schranken zur Anderswelt sind aufgehoben, und die Botinnen der Götter können sogar einzelne Sterbliche zu sich rufen. Mit Samhain endet das alte keltische Jahr, und das neue beginnt. Samhain galt als "Pflichtfest"; es war bei Todesstrafe verboten, es nicht zu begehen! Drei Tage lang wurde bei Essen, Trinken und Spielen recht ausgelassen gefeiert. Es handelte sich daher nicht um ein Trauerfest (im Gegensatz zu Allerheiligen/Allerseelen).

Auch ist nicht genau überliefert, ob Samhain jährlich oder etwa - wie beispielsweise in den Chroniken des Königshofs Tara berichtet wird - nur alle 7 Jahre begangen wurde. Dies wurde vermutlich örtlich unterschiedlich gehandhabt. Neuere Forschungstheorien gehen davon aus, dass die Häufigkeit des Festes mit der Wichtigkeit des jeweiligen Hofes gekoppelt war.

In der keltischen Vorstellung waren viele Zeitspannen gleichbedeutend, auch wenn uns das heute nur schwer verständlich ist. Ein Tag, ein Jahr und sogar die Ewigkeit konnten durchaus die gleiche Zeitspanne darstellen. Samhain markiert das Ende des alten und den Beginn des neuen Jahres. Dieser Moment ist in der keltischen Zeitvorstellung in seiner ewigen Wiederholung gleichzeitig vergänglich und endlos. Insofern spiegelt der kurze Zeitpunkt von Samhain auch die Ewigkeit der Anderswelt, bei der die Grenzen verschwammen.

 

Im indogermanischen Urglauben bewegt sich die Sonne andauernd zwischen dem Göttertor im Norden und dem Menschentor im Süden hin und her. Das Menschentor erreicht sie an Samhain, womit sie ihre Bahn vollendet. Dann beginnt sie sofort von neuem, wieder hin zum Göttertor zu ziehen, welches sie an Beltane erreicht. Insofern stellt Samhain auch hier das Ende der alten und den Beginn der neuen Sonnenbahn dar, den Übergang zwischen zwei Jahreskreisen.

 

Es heißt auch - dies ist historisch jedoch nicht belegt -, dass die Kelten fürchteten, dass an Samhain ihre Toten "durch den Schleier treten" könnten. Sie hätten deswegen mit Masken und Kostümen bekleidet versucht, "die ruhelosen Geister zu vertreiben".

Ab dem 16. Jahrhundert ist die Tradition des sich Verkleidens zu Samhain überliefert. Irland war zu diesem Zeitpunkt bereits christianisiert. Daher stellte der Brauch, verkleidet aus dem Haus zu gehen und sich gegenseitig verschiedene Lebensmittel wie Nüsse zu schenken, keinen Bezug zur ursprünglichen keltischen Bedeutung von Samhain mehr dar. Vielmehr handelte es sich wahrscheinlich eher um eine Vermischung der Bedeutungen von Allerheiligen und Erntedank. Die verkleideten Menschen verschenkten Opfergaben, die für die Götter gedacht waren, stellvertretend an andere Menschen, und sie nahmen selber im Namen der Götter Gaben entgegen. Dass die Verkleidung auch eine willkommene Gelegenheit für Streiche aller Art darstellte, versteht sich dabei von selbst...

 

 

All Hallows' Eve / Halloween

 

Früher wurden die Tage nicht von Mitternacht bis Mitternacht gerechnet, sondern vom Beginn des Abends bis zum nächsten Abend. Die Nacht gehörte daher bereits zum nächsten Tag und wurde nicht, wie heute üblich, hauptsächlich als Verlängerung des vorhergehenden Tages angesehen. Diese alte Tradition spiegelt sich beispielsweise in den kirchlichen Feiern der Osternacht oder von Heiligabend, dem Vorabend des Weihnachtsfeiertages.

Auch Allerheiligen war ein hoher Festtag der Katholiken, daher begannen die Feierlichkeiten häufig bereits am Abend zuvor. So entstand im angelsächsischen Sprachraum der "All Hallows' Eve", also der "Vorabend von Allerheiligen" - auch wenn Allerheiligen nicht "All Hallows' Day", sondern "All Saints Day" heißt.

 

Nachdem irische Einwanderer die Traditionen rund um das christliche "Allerheiligen" und um "All Hallows' Eve" mit nach Amerika brachten, verschmolzen diese im Laufe der Zeit miteinander zu dem Begriff "Halloween". Das heute bekannte Halloween birgt selber keinerlei religiöse Grundlage mehr.

 

Eine beliebte Tradition stellt das Aushöhlen und Aufstellen von mit Kerzen beleuchteten Kürbissen dar. Diese haben allerdings nichts mehr mit den Kerzen auf den Gräbern der Verstorbenen zu tun, sondern gehen auf eine irische Volkssage zurück, die Sage von Jack Oldfield. Im englischen Sprachgebrauch heißen die beleuchteten Kürbisse deswegen auch "Jack-O-Lanterns".

Der Sage zufolge soll Jack O. es geschafft haben, den Teufel einzufangen. Um wieder freizukommen, musste der versprechen, ihm nicht mehr in die Quere zu kommen. Nachdem Jack O. aber kein guter Mensch war, konnte er nach seinem Tod nicht in den Himmel kommen. Er konnte aber auch nicht in die Hölle, weil der Teufel immer noch wütend auf ihn war. Deshalb ist Jack O. dazu verdammt, für immer durch das Dunkel zu schreiten. Der Teufel schenkte ihm jedoch eine brennende Kohle, die Jack O. in eine ausgehöhlte Rübe legte. Sie soll seinen ewig währenden Weg durch das Dunkel beleuchten. Die an "All Hallows' Eve" aufgestellten Kürbisse spielen auf diese Sage an und sollen Jack O. helfen, seinen Weg zu finden. Und da in Amerika sehr viel mehr Kürbisse als Rüben wuchsen, wurden schließlich diese anstelle von Rüben für die Laternen-Herstellung verwendet. Die europäischen Kürbisbauern wiederum griffen die Tradition der beleuchteten Kürbisse später nur zu gerne auf und verbreiteten sie gewinnbringend...

 

Heute ist Halloween hauptsächlich bekannt als der Tag, an dem Kinder möglichst schaurig verkleidet durch die Nachbarschaft ziehen. Sie läuten an jeder Türe und sagen ihr Sprüchlein auf: "Süßigkeiten oder Streiche!" Die meisten Menschen haben an diesem Tag bereits Süßigkeiten vorbereitet, um sie in hingehaltene Tüten zu stecken und die kleinen Gestalten damit zufriedenzustellen. Das ist zwar keine religiöse Tradition mehr, macht aber allen Beteiligten einen Heidenspaß!

 

 

Es gäbe sicher noch einiges zu den Festen um den Monatswechsel zwischen Oktober und November zu sagen. Auf alle Fälle beginnt mit dem November eine dunklere und kalte Zeit, die den Winter allmählich einläutet und das Leben in der Natur mehr und mehr zur Ruhe bringt. Nur der moderne Mensch bleibt häufig ruhelos und hat es verlernt, sich dem Wechsel der Jahreszeiten zu beugen. Dabei war dies für die Bauernwelt immer eine Zeit der Entspannung, der Erholung und der Kontemplation. Man hatte endlich Muße, am warmen Ofen zu sitzen, Geschichten zu erzählen, zu stricken, zu weben, zu sticken und zu backen - also Zeit für kreative Tätigkeiten, für die unter dem Jahr wenig Raum blieb.

 

Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, gerade diesen Herbst/Winter dazu zu nutzen, um "herunterzufahren" und mir genügend Zeit für Mußestunden, Kreativität und innere Einkehr zu nehmen. Das ist übrigens auch eine ganz ausgezeichnete Gesundheitsvorsorge und hilft uns, in einer modernen Welt mit hohen Leistungsanforderungen bestehen zu können und "unsere Batterien immer wieder neu aufzuladen". Vielleicht möchten Sie dies auch mit meinem November-Sonntagsritual tun?

Außerdem - wie schön ist die Welt gerade auch zu dieser Jahreszeit, wie mein Titelbild mal wieder so wunderbar zeigt (dieses Mal ein fantastisches Foto von meiner Freundin Lucia Karrer, vielen Dank dafür!). Ich jedenfalls bin sehr dankbar für die Schönheit der Natur und ihren Rythmus - atmen wir weich mit ihr... 

 

 

Herzlichst

Ihre Christine Pfenninger